Ciudad Perdida – Trekking zur verlorenen Stadt Kolumbiens

Ich wandere zusammen mit anderen Abenteurern durch den Regenwald – mal über Stock und Stein, mal über steile Treppen und durch Flüsse. Es ist heiß und anstrengend, aber wir haben alle dasselbe Ziel: die verlorene Stadt in der Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien! Keine Straße führt dorthin. Wir wandern auf abgelegenen Wegen und übernachten in einfachen Unterkünften in Hängematten. Das ist erstaunlich bequem, wenn man richtig darin liegt – diagonal. Und meistens ist man nach der Tagesetappe ohnehin so müde, dass man wunderbar schläft. In manchen Camps sind auch Betten mit Moskitonetzen verfügbar. Das Essen ist einfach, aber sehr lecker. Zwischendurch baden wir im Fluss, um uns abzukühlen.
Warum heißt die „Verlorene Stadt“ so?
Nach dem Niedergang der Tayrona-Kultur (auch Tairona geschrieben) wurde die Stadt von dichter Vegetation überwachsen und geriet über Jahrhunderte für die Außenwelt in Vergessenheit. Ihre Existenz war kaum bekannt, auch weil sie tief und abgelegen im Dschungel liegt. In den 1970er Jahren wurde die Stadt der Außenwelt erneut bekannt, nachdem Bauern aus der Region auf die Ruinen gestoßen waren. Mit ihnen kamen jedoch auch Plünderer, die Gold und wertvolle Artefakte mitgehen ließen.

Geschichte der Ciudad Perdida

Die Ciudad Perdida, also die „Verlorene Stadt“, wurde von der Tayrona-Kultur erbaut – einem indigenen Volk, das die Sierra Nevada de Santa Marta bewohnte. Es wird geschätzt, dass die Stadt zwischen dem 8. und 15. Jahrhundert existierte. Die Tayrona entwickelten eine Gesellschaft mit komplexen sozialen Strukturen, Landwirtschaft und beeindruckender Handwerkskunst wie Töpferei und Goldschmiedearbeiten. Die Ciudad Perdida war eines der wichtigsten Zentren dieser Zivilisation.
Als die Spanier im 16. Jahrhundert nach Südamerika kamen, leisteten die kriegerischen Tayrona heftigen Widerstand. Dennoch zerfiel ihre Gesellschaft im Laufe der Kolonialzeit durch Kriege, Krankheiten und Vertreibung. Viele Tayrona flohen in die Berge. Die Ciudad Perdida wurde schließlich aufgegeben und geriet zeitweilig in Vergessenheit.

Kultur der Tayrona
Die Tayrona hatten eine tiefe Verbindung zur Natur und verehrten Berge, Flüsse und den Ozean. Sie glaubten, dass alle Dinge in der Natur einen Geist besitzen.
Sie bildeten keine eigentliche Nation, sondern eher ein Netzwerk aus verstreuten Städten und Siedlungen, zu dessen wichtigsten Zentren die Ciudad Perdida gehörte. Das soziale System war hierarchisch aufgebaut. Spirituelle und politische Autoritäten wurden Mámas genannt.

Die Gebäude der Tayrona bestanden aus Stein und Holz und waren harmonisch in die Landschaft integriert. Jede Siedlung verfügte über terrassenförmig angelegte Felder. Angebaut wurden hauptsächlich Mais, Bohnen, Süßkartoffeln, Maniok, Chilischoten und Baumwolle.

Zu den heutigen Nachfahrenvölkern der Tayrona zählen unter anderem die Kogi, Arhuaco, Wiwa und Kankuamo. Besonders die Kogi leben noch heute hauptsächlich in der Sierra Nevada de Santa Marta in einfachen Rundhütten und oft weitgehend autark von Landwirtschaft. Sie flechten Körbe und Taschen und stellen Töpferarbeiten her.
Auf der Wanderung zur Ciudad Perdida passierten wir ein Dorf der Kogi. Aus Respekt näherte sich zuerst der Guide und fragte einen Máma des Dorfes, ob wir uns nähern dürfen und ob Fotos erlaubt sind. Manchmal bieten die Kogi auch ihre handgefertigten Produkte wie gehäkelte Taschen zum Verkauf an. Ich habe mir damals eine solche Tasche gekauft. Sie war zwar nicht ganz billig, dafür aber aus natürlich gefärbter Wolle und handgefertigt. 
Was macht dieses Trekking so besonders?
Ich habe mich wie eine Abenteurerin im Dschungel gefühlt. Es ist wie eine andere Welt – eine Welt, die wir Europäer so kaum kennen. Und dann steht man plötzlich mitten in der einst verlorenen Stadt und weiß, dass hier vor vielen Jahrhunderten Menschen eng verbunden mit der Natur gelebt haben.
Nur ein kleiner Teil der Stadt ist bislang freigelegt. Wie groß die Ciudad Perdida tatsächlich war, lässt sich nur erahnen. Die Abgeschiedenheit und Undurchdringlichkeit der Sierra Nevada de Santa Marta verstärken das Gefühl von Abenteuer zusätzlich.

Auch die Unterkünfte sind einfach – luxuriöse Lodges oder Hotels sucht man hier vergeblich. Genau das macht dieses Trekking zu einem einzigartigen Erlebnis: ursprünglich und nah an der Natur.

Empfehlung von unserem Team:
Die angenehmste Zeit für das Trekking zur Ciudad Perdida ist die Trockenzeit von Dezember bis März sowie Juli und August. Dann sind die Wege meist besser begehbar und die Flüsse leichter zu überqueren. Grundsätzlich ist die Wanderung jedoch das ganze Jahr möglich – in der Regenzeit wird das Abenteuer einfach noch ursprünglicher und matschiger.


Text: Petra Zumstein
Fotos: Petra Zumstein, diverse Fotoagenturen
Reisebaustein Trekking Ciudad Perdida
5 Tage / ab € 995

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