Warum heißt die „Verlorene Stadt“ so?
Nach dem Niedergang der Tayrona-Kultur (auch Tairona geschrieben) wurde die Stadt von dichter Vegetation überwachsen und geriet über Jahrhunderte für die Außenwelt in Vergessenheit. Ihre Existenz war kaum bekannt, auch weil sie tief und abgelegen im Dschungel liegt. In den 1970er Jahren wurde die Stadt der Außenwelt erneut bekannt, nachdem Bauern aus der Region auf die Ruinen gestoßen waren. Mit ihnen kamen jedoch auch Plünderer, die Gold und wertvolle Artefakte mitgehen ließen.
Geschichte der Ciudad Perdida
Die Ciudad Perdida, also die „Verlorene Stadt“, wurde von der Tayrona-Kultur erbaut – einem indigenen Volk, das die Sierra Nevada de Santa Marta bewohnte. Es wird geschätzt, dass die Stadt zwischen dem 8. und 15. Jahrhundert existierte. Die Tayrona entwickelten eine Gesellschaft mit komplexen sozialen Strukturen, Landwirtschaft und beeindruckender Handwerkskunst wie Töpferei und Goldschmiedearbeiten. Die Ciudad Perdida war eines der wichtigsten Zentren dieser Zivilisation.
Als die Spanier im 16. Jahrhundert nach Südamerika kamen, leisteten die kriegerischen Tayrona heftigen Widerstand. Dennoch zerfiel ihre Gesellschaft im Laufe der Kolonialzeit durch Kriege, Krankheiten und Vertreibung. Viele Tayrona flohen in die Berge. Die Ciudad Perdida wurde schließlich aufgegeben und geriet zeitweilig in Vergessenheit.
Kultur der Tayrona
Die Tayrona hatten eine tiefe Verbindung zur Natur und verehrten Berge, Flüsse und den Ozean. Sie glaubten, dass alle Dinge in der Natur einen Geist besitzen.
Sie bildeten keine eigentliche Nation, sondern eher ein Netzwerk aus verstreuten Städten und Siedlungen, zu dessen wichtigsten Zentren die Ciudad Perdida gehörte. Das soziale System war hierarchisch aufgebaut. Spirituelle und politische Autoritäten wurden Mámas genannt.
Die Gebäude der Tayrona bestanden aus Stein und Holz und waren harmonisch in die Landschaft integriert. Jede Siedlung verfügte über terrassenförmig angelegte Felder. Angebaut wurden hauptsächlich Mais, Bohnen, Süßkartoffeln, Maniok, Chilischoten und Baumwolle.
Zu den heutigen Nachfahrenvölkern der Tayrona zählen unter anderem die Kogi, Arhuaco, Wiwa und Kankuamo. Besonders die Kogi leben noch heute hauptsächlich in der Sierra Nevada de Santa Marta in einfachen Rundhütten und oft weitgehend autark von Landwirtschaft. Sie flechten Körbe und Taschen und stellen Töpferarbeiten her.
Auf der Wanderung zur Ciudad Perdida passierten wir ein Dorf der Kogi. Aus Respekt näherte sich zuerst der Guide und fragte einen Máma des Dorfes, ob wir uns nähern dürfen und ob Fotos erlaubt sind. Manchmal bieten die Kogi auch ihre handgefertigten Produkte wie gehäkelte Taschen zum Verkauf an. Ich habe mir damals eine solche Tasche gekauft. Sie war zwar nicht ganz billig, dafür aber aus natürlich gefärbter Wolle und handgefertigt.