Inti Raymi - Das Sonnenfest der Inka in Cusco

Inti Raymi ist Quechua und bedeutet übersetzt „Sonnenfest“ (Inti = Sonne, Raymi = Fest). Es ist ein sehr traditionsreiches Fest der Anden, das auf das Jahr 1430 zurückgeht. Es wurde vom Inka Pachacútec ins Leben gerufen, um die Hauptgottheit des Inkareichs zu ehren – die Sonne. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte es sich zu einem der bedeutendsten und traditionsreichsten Feste Perus.
Inti Raymi zur Zeit der Inka
Im Inkareich wurde das Inti Raymi zur Wintersonnenwende gefeiert. Da sich Peru auf der Südhalbkugel befindet, fällt diese auf den Monat Juni. Am Vorabend des Festes löschten die Bewohner des Reiches ihre Fackeln und warteten auf den Sonnenaufgang. Als die Sonne am nächsten Morgen erschien, war die Stadt von Jubel erfüllt, denn in der Vorstellung der Inka bedeutete dies den Triumph des Gottes Inti (spanisch: El Sol).

Das Fest fand in Cusco, der Hauptstadt des Inkareichs, statt und konnte bis zu 15 Tage dauern. Man schätzt, dass bis zu 50.000 Menschen aus verschiedenen Teilen des Reiches in die Stadt kamen, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Sie versammelten sich, um dem Sonnengott mit Ritualen für die Ernten des Jahres und für die Ressourcen, die das Land ihnen zur Verfügung stellte, zu danken.

Aus diesem Anlass wurde die Stadt zu einem großen Volksfest mit Tänzen und Feierlichkeiten. Die Chronisten jener Zeit berichten, dass es dabei fröhlich zuging und reichlich Essen aufgetischt wurde. Zudem wurden zahlreiche Lamas geopfert. Dies änderte sich jedoch mit der Ankunft der Spanier. Im Jahr 1572 erklärte Vizekönig Francisco de Toledo das Fest für verboten, da er es als heidnische Aktivität betrachtete.

Das tat den Feierlichkeiten jedoch keinen vollständigen Abbruch, und viele Menschen in Cusco verehrten den Sonnengott weiterhin im Geheimen. Im Jahr 1944 schuf der peruanische Schriftsteller und Schauspieler Francisco Espinoza eine Neuinszenierung des Inti Raymi auf Grundlage der Schriften des Historikers Garcilaso de la Vega. Seitdem wird das Fest in Cusco wieder öffentlich mit Tänzen, Musik, Freude sowie reichlich Essen und Trinken gefeiert. Im Jahr 2001 wurde Inti Raymi zum nationalen Kulturerbe Perus erklärt.
Inti Raymi heute
Obwohl Inti Raymi heute in verschiedenen Regionen der Anden gefeiert wird – insbesondere in Peru, Ecuador und Bolivien –, findet die bekannteste und größte Feier nach wie vor in Cusco statt. Die ehemalige Hauptstadt des Inkareichs gilt als historischer Ursprung des Festes und zieht jedes Jahr Tausende von Besuchern an. Das Fest, das jedes Jahr am 24. Juni gefeiert wird, hat sich im Laufe der Zeit verändert und umfasst heute zahlreiche Aktivitäten, die bereits Tage zuvor in verschiedenen Teilen der Stadt stattfinden. Aus vielen Provinzen kommen Gruppen und bieten ihre Tänze dar. Das eigentliche Spektakel beginnt dann mit dem Sonnenaufgang am Tempel von Qorikancha. Anschließend findet auf der Plaza de Armas von Cusco eine Zeremonie statt, bei der ein Schauspieler in der Rolle des Inka den amtierenden Bürgermeister von Cusco begrüßt.

Danach geht es hinauf zur Inkafestung von Sacsayhuamán, wo die große Darstellung des Inti Raymi stattfindet. An dieser Inszenierung nehmen mehr als 750 Darsteller teil, die verschiedene Rollen aus der Zeit der Inka verkörpern und das ursprüngliche Fest mit Musik, Farben und traditionellen Ritualen nachstellen. Wer das Geschehen aus nächster Nähe erleben möchte, kann Eintrittskarten erwerben. Die meisten Besucher suchen sich jedoch bereits früh am Morgen einen Platz auf den umliegenden Hügeln, um dem Spektakel aus der Ferne beizuwohnen. Anschließend wird – wie bei allen peruanischen Festen – gemeinsam gegessen, getrunken und gefeiert.

Als ich selbst vor einigen Jahren selbst unter den Zuschauern war, war der Himmel den ganzen Tag über bewölkt. Doch genau in dem Moment, als der Inka seine Opfergabe in die Höhe hob, brach die Sonne durch die Wolken und beleuchtete ihn. Ein wahrhaft mystischer Moment.

Der 24. Juni ist nicht nur der Tag des Inti Raymi, sondern zugleich auch der Día de los Campesinos (Tag der Bauern). Im peruanischen Dschungel wird zur gleichen Zeit der Día de San Juan (Tag des heiligen Johannes) gefeiert.

Es ist also ein sehr bedeutender Tag auf nationaler Ebene – voller Traditionen, Kultur und Festlichkeiten.
Interessierst du dich für die Kultur der Anden, liebst Tänze, Farben, Musik und typisches Essen? Dann solltest du Cusco im Juni unbedingt einen Besuch abstatten.
Text: Petra Zumstein
Fotos: Lateinamerika.reisen, Unsplash, Pexels

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