Zuerst ein kleines Quiz! Wie gut kennst du die lateinamerikanischen Kameliden-Arten schon? (Auflösung am Schluss des Beitrags)
Du reist in die Anden und alle reden von Alpakas und Lamas, Guanakos und Vikunjas. Auf Spanisch werden sie Alpacas, Llamas (Jáma), Vicuña (wikúnja) und Guanaco genannt. Diese majestätischen Tiere gibt es überall. Für dich sehen sie vielleicht alle gleich aus und du fragst dich, wo denn die Unterschiede liegen? Wir erklären sie dir hier!
Zuerst aber ein paar Fakten
Zu den südamerikanischen Kameliden (Camelidae) gehören das Lama (Lama glama), das Alpaka (Vicugna pacos), das Guanako (Lama guanicoe) und das Vikunja (Vicugna vicugna). Sie sind in Südamerika beheimatet, vor allem in den Anden sowie in angrenzenden Hochland- und Steppenregionen wie dem Altiplano. Alle vier Arten sind Paarhufer mit zweizehigen Füßen und weichen Sohlen.
Was fressen sie?
Als Wiederkäuer ernähren sie sich rein pflanzlich. Sie fressen Ichu, das trockene Gras der Anden. Dieses trockene, bräunliche Gras nutzt die Zähne stark ab. Darum wachsen einzelne Zähne konstant nach. Bei nicht geeigneter Ernährung, etwa durch zu viel grünes Gras, werden sie zu lang – ähnlich wie bei Meerschweinchen oder Hasen – was zu schweren gesundheitlichen Problemen führen kann.
Warum können sie in großer Höhe leben?
Südamerikanische Kameliden sind außerordentlich gut an das Leben in großen Höhen angepasst und kommen mit sauerstoffarmer Luft gut zurecht. Charakteristisch sind ihre oval geformten roten Blutkörperchen, die einen effizienten Sauerstofftransport ermöglichen. Sie besitzen ein dichtes Fell zum Schutz vor Kälte und können längere Zeit mit wenig Wasser auskommen. Die Tragzeit beträgt bei allen Arten rund elf Monate. In der Regel wird ein einzelnes Jungtier, ein sogenanntes Cría, geboren.
Woher stammen sie ab?
Die südamerikanischen Kameliden stammen nicht von den heutigen Kamelen Asiens oder Afrikas ab, sondern teilen mit ihnen einen gemeinsamen Vorfahren. Diese frühen Kameliden entstanden vor etwa 40 bis 45 Millionen Jahren in Nordamerika. Von dort aus entwickelten sich zwei Hauptlinien: Eine wanderte über die Bering-Landbrücke nach Asien und bildete die Arten Dromedar und Kamel, die andere gelangte über die damalige Landbrücke von Panama nach Südamerika. Dort entwickelten sich die wildlebenden Arten Guanako und Vikunja, aus denen später Lama und Alpaka domestiziert wurden. In Nordamerika selbst starben die ursprünglichen Kameliden am Ende der letzten Eiszeit aus.
Wo kannst du die verschiedenen Arten sehen?
Lamas und Alpakas wirst du auf deiner Reise vor allem in Peru, Bolivien, Ecuador, Chile und Argentinien sehen. Bereist du das Altiplano, kannst du auch Vikunjas beobachten. Und in Patagonien grasen oft Guanakos in der Nähe der Straße.
Welchen Nutzen haben sie?
Alpakas und Lamas sind Nutztiere. Das Lama ist ein Lastenträger für die andine Bergbevölkerung. Es kann je nach Strecke Lasten von 25–30 Kilo tragen. Vor allem die Männchen werden beladen. Wird zu viel geladen, weigert sich das Lama zu laufen. Sie werden im Alter zwischen drei und zehn Jahren als Träger eingesetzt und können bis zu 20 Jahre alt werden. Lamas sind intelligent, erkennen Personen und können einfache Befehle befolgen. Das Alpaka wird vor allem wegen seiner feinen Wolle und seines zarten Fleisches gehalten. Es wird einmal pro Jahr, meist im südamerikanischen Frühling, geschoren.
Wie unterscheiden sich die verschiedenen Arten?
Unten findest du eine Tabelle der Unterschiede.
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Zudem geben wir dir hier ein paar ganz einfache Tipps und Tricks zur Unterscheidung:
• Das Lama hat einen länglichen Kopf und sein Fell ist nicht flauschig. Seine Ohren sind länglich und gebogen. Es ist größer als das Alpaka. Lamas machen einen stolzen Eindruck und spucken, wenn ihnen etwas nicht passt. Die Farbe des Fells kann weiß, braun oder gemischt sein.
• Das Alpaka hat einen kürzeren, eher rundlichen Kopf und sein Fell ist sehr flauschig. Man hat richtig Lust, es anzufassen – was angeblich Glück bringen soll. Die Ohren sind kürzer und laufen spitz zu. Die Fellfarbe ist meist einheitlicher.
Das Lama und das Alpaka findest du oft in der Nähe von Dörfern, aber auch auf dem Altiplano. Sie gehören immer jemandem. In den Anden sieht man häufig Mauern aus losem Stein. Dort verbringen Lamas und Alpakas zusammengepfercht die eisigen Winternächte.
• Das Vikunja lebt frei hoch in den Anden. Sein Fell ist hellbraun und beige. Es ist ein feingliedriges Tier.
• Das Guanako ist groß und ebenfalls frei lebend. Sein Fell ist hellbraun und beige.
Vikunja – das heilige Tier
Das Vikunja ist das peruanische Nationaltier und ist auf der Landesflagge dargestellt. Zudem galt es einst als Tier der Götter und wurde von den Inkas dem Sonnengott Inti geweiht.
Bei den Inka war das Vikunja heilig, weil damals schon erkannt wurde, wie fein die Wolle ist, welche als eine der feinsten Naturfasern der Welt gilt. Die aus dieser Wolle gewebten Kleider durften ausschließlich von der Elite und vom Herrscher getragen werden. Vikunjas wurden nicht getötet, sondern in großen gemeinschaftlichen Treibjagden – dem sogenannten Chaccu – eingefangen, geschoren und wieder freigelassen. Dieses alte Ritual war streng geregelt und wird bis heute in den Anden praktiziert – meist im Juni rund um das Inti Raymi, das Fest des Sonnengottes. Dabei bilden Hunderte Gemeindemitglieder eine lange Kette mit bunten Fahnen, singen und führen die Tiere in Gehege. Dort werden sie geschoren und wieder freigelassen.
Tierschutz
In Cusco und vermutlich auch an anderen Orten werden Alpakas als Fotosujets gegen Entgelt angeboten. Oft handelt es sich dabei um wenige Monate alte Tiere, die stundenlang von der Mutter getrennt werden, um von Touristen fotografiert zu werden.
Einheimische Frauen in traditionellen Trachten preisen ihre Alpaka-Babys und auch kleine Schäfchen an. Diese stehen oder hocken stundenlang in der Hitze, ohne Wasser und oftmals auch ohne Futter – tagaus, tagein. Das ist widernatürlich und aus Gründen des Tierschutzes in Peru offiziell verboten.
Doch immer wieder werden Wege gefunden, diese Verbote zu umgehen, oder man weicht auf wenig begangene Ecken aus. Wir bitten dich, dies nicht zu unterstützen und – auch wenn es schwerfällt, weil sie wirklich süß sind – keine Fotos zu machen.
Natürlich möchten die Einheimischen ihren Lebensunterhalt verdienen. Doch es gibt andere Möglichkeiten, und in unseren Augen hat das Tierwohl Vorrang. Vielen Dank für dein Verständnis!
Text: Petra Zumstein
Fotos: Lateinamerika.reisen, Vision21-Heiko Beyer, Sernatur Chile, Ukumari Expeditions
Auflösung Quiz:
Oben links: Vikunja
Oben rechts: Alpaka
Unten links: Guanako
Unten rechts: Lama