Wandern in den Anden

Wandern in den Anden…
… ist buchstäblich ein anderes Paar Schuhe, als in den Alpen unterwegs zu sein, und sollte daher nicht unterschätzt werden. Möchtest du die Anden nicht nur betrachten, sondern hautnah erleben, empfehlen wir dir ein mehrtägiges Trekking.
Vorab: Die Anden sind gewaltig! Für uns Europäer sind die Distanzen daher oft schwer einzuschätzen. Dazu kommt die Höhe zwischen 3.000 und 5.000 Metern über Meer. Auf solchen Höhen sind wir in Europa meist mit Pickel und Steigeisen unterwegs. Das Wetter in den Anden kann sehr schnell wechseln – darauf sollte man unbedingt vorbereitet sein. Tagsüber sind die Temperaturen angenehm warm, nachts fallen sie jedoch oft unter den Gefrierpunkt. Gute Ausrüstung und ein erfahrener Führer sind daher unabdingbar. Ebenso wichtig ist eine vorherige Akklimatisation – in erster Linie aus gesundheitlichen Gründen, aber auch, um das Trekking wirklich genießen zu können. Möchtest du mehr darüber erfahren, lies unseren Blogbeitrag zur Akklimatisation.

Alleine unterwegs oder geführt?
Unsere Antwort als Reiseagentur muss – strategisch gesehen – ganz klar „geführt“ lauten. Natürlich kannst du gewisse, stark frequentierte Routen auch alleine bewältigen. Trotzdem kennst du die lokalen Gegebenheiten nicht – und diese können sich schnell ändern. Wo es gestern noch Übernachtungsmöglichkeiten gab, gibt es heute keine mehr oder sie sind ausgebucht. Oder dir wurde gesagt, dass einmal pro Woche, nämlich am Sonntag, der Bus fährt. Du stehst dort – nur um zu erfahren, dass die Fahrzeit auf Samstag verlegt wurde. Solche Begebenheiten sind nicht unüblich, aber sehr ärgerlich, wenn du dich im Niemandsland befindest und vielleicht nicht so viel Zeit hast.

Hast du unterwegs einen Unfall oder verläufst dich, ist es oft schwierig, Hilfe zu bekommen. Warum? Weil es in diesen Regionen häufig keinen Handyempfang gibt, Helikopterflüge extrem teuer sind und Guides sowie Tragtiertreiber, die mit Gruppen unterwegs sind, sich in erster Linie um ihre eigene Gruppe kümmern müssen. Vielleicht kommt ein Bergbewohner vorbei und hilft dir – aber wenn du kaum Spanisch sprichst, wird die Situation schnell noch komplizierter.
In den Bergen zählt im Notfall jede Minute. Aus diesem Grund, und vor allem wenn du noch nie in den Anden unterwegs warst, empfehlen wir dir, Trekkings mit einem privaten Führer oder in einer Gruppe zu unternehmen.

Gruppenfeeling
Trekking in einer Gruppe ist ein tolles Erlebnis. Aber seien wir ehrlich – es kommt immer auch auf die Zusammensetzung der Gruppe an. Manche Menschen sind einfach nicht kompatibel. Manche mögen es ruhig und meditativ, andere erzählen am liebsten den ganzen Tag ihre Geschichten. Trotzdem: Bei einer Wanderung in dieser Höhe geht selbst Vielrednern irgendwann die Puste aus. Oder du bist so fit, dass du allen davonläufst.

Am Ende zählt das gemeinsame Erlebnis: Man wandert zusammen, teilt die Momente, freut sich über die fantastische Aussicht und sitzt nach der Tagesetappe gemeinsam beim Abendessen. Auch wenn das Alleinsein seinen Reiz hat, sind mir meine Trekkings mit anderen Menschen immer besonders in Erinnerung geblieben.
Wenn du grundsätzlich nicht der Gruppentyp bist, kannst du auch eine private Tour buchen. Das ist zwar kostspieliger, bietet dir aber den Vorteil, die gesamte Tour in deinem eigenen Rhythmus und in Ruhe zu genießen.

Fit oder eher gemütlich unterwegs?
Eine gute Kondition ist für ein angenehmes und erlebnisreiches Trekking unerlässlich. Es bringt nichts, wenn man sich nur quält und die beeindruckende Landschaft nicht genießen kann. Für Bewegungsmuffel empfehlen wir eher andere Reiseformen als ein Trekking.

Bist du fit, traust dir aber nicht alles zu, brauchst du dir keine Sorgen zu machen: Bei vielen Trekkings kann man für bestimmte Strecken ein Pferd mieten. Bei manchen Touren wird sogar ein Pferd für Notfälle mitgeführt. Wichtig ist, dass du bei der Buchung ehrlich einschätzt, was du dir zutraust. So können wir sicherstellen, dass das Trekking optimal auf deine Bedürfnisse und deine körperliche Fitness abgestimmt ist.

Wanderstiefel oder Flip-Flops?
Für ein Trekking solltest du bequeme, wasserfeste Wanderstiefel oder zumindest gute Trekkingschuhe mitbringen. Denk daran, dass es bei vielen Touren steil bergauf und vor allem auch steil bergab geht – die Schuhe sollten daher unbedingt vorher eingelaufen sein.
Die Bauern in den Anden sind oft mit sogenannten Ojotas unterwegs. Das sind einfache Sandalen aus Autoreifen. Damit sind sie erstaunlich schnell und bewegen sich eher laufend als gehend durch die Berge. Für dich empfehlen wir diese natürlich nicht.
Packe aber unbedingt Flip-Flops oder leichte Sandalen ein, damit du deinen Füßen nach der Tagesetappe eine wohlverdiente Pause gönnen kannst. Diese sind auch praktisch für Übernachtungen in Hütten oder Berglodges.

Zwiebeltechnik
Das Wetter in den Anden folgt oft einem klaren Tagesverlauf – je nach Jahreszeit unterschiedlich. Die Trockenzeit zwischen Mai und Oktober gilt als ideale Wanderzeit. Im Mai, September und Oktober kann es tagsüber auch in großen Höhen warm werden, während die Nächte weniger kalt sind. In den Monaten Juni, Juli und August sind die Tage warm, doch morgens, abends und auch im Schatten ist es oft sehr kalt.
Am besten kleidest du dich nach dem Zwiebelprinzip - Schicht für Schicht. Ein Unterhemd, ein T-Shirt, ein langärmliges Shirt, ein Pullover und darüber eine warme Jacke oder Windjacke. Mütze, schal und Handschuhe nicht vergessen, vor allem frühmorgens und wenn du an Schattenhängen wanderst.
Setze zudem auf synthetische oder hochwertige Naturfasern. Baumwolle ist ungeeignet, da sie schlecht trocknet und wenig wärmt. Schafwolle ist zwar warm, aber relativ schwer und ist daher nur bedingt empfehlenswert.


Wer transportiert was?
Bei einer geführten Trekkingtour trägst du nur deinen Tagesrucksack mit den wichtigsten Dingen wie Geld, Pass, Handy, Wasser, Regenjacke und Snacks. Dein restliches Gepäck wird in Taschen transportiert – je nach Tour von Trägern, Maultieren, Lamas oder Eseln.
Während des Tages hast du in der Regel keinen Zugriff auf dieses Gepäck, da die Tragtiere meist vorausgehen.

Wer begleitet die Gruppe?
Eine geführte Trekkingtour wird immer von mindestens einem erfahrenen Guide begleitet, je nach Gruppengröße. Er kennt die Route genau und verfügt über Erste-Hilfe-Kenntnisse. Unterstützt wird er von Tragtiertreibern, den Arrieros, und Köchen. Bei manchen Touren, wie dem Inka-Trail in Peru, kommen Träger zum Einsatz, da dort keine Tiere erlaubt sind. Die Crew baut das Camp auf, bereitet Mahlzeiten zu und sorgt für einen reibungslosen Ablauf – oft sind sie deutlich schneller unterwegs als die Wandergruppe. Der Guide bleibt immer bei der Gruppe.

Die Sache mit dem Trinkgeld
Lateinamerika.reisen legt großen Wert darauf, dass die Crew fair entlohnt wird und Tragtiere sowie Träger nicht überlastet werden. Deshalb sind unsere Touren möglicherweise etwas teurer als bei Billiganbietern – ein wichtiger Beitrag zu nachhaltigem Tourismus.
Dennoch sind Guides, Träger und Köche über ein Trinkgeld dankbar.
Drei Grundregeln:
• Gib kein Trinkgeld, wenn du unzufrieden bist – es besteht keine Pflicht.
• Gib ein angemessenes Trinkgeld, wenn du zufrieden bist – aber übertreibe es nicht.
• Zahle möglichst in Landeswährung oder in US-Dollar und immer bar.

Beispiel Peru (Richtwerte für ein 4-Tages-Trekking):
• Träger: 50 Soles pro Person
• Koch: 50 pro Person
• Guide: 70 Soles pro Person
• Assistierender Guide: 60 Soles pro Person

Was brauchst du sonst noch?
Dokumente & Basics
• Pass
• Bargeld in Landeswährung
• Medikamente

Weitere nützliche Dinge
• Wasserflasche
• Sonnencreme (mind. LSF 50)
• Sonnenhut
• Sonnenbrille (mit UV-Schutz)
• Tagesrucksack
• Stirnlampe
• Handy, Kamera, Powerbank, Ersatzakku

Kleidung
• Unterwäsche
• Wandersocken
• warme Socken für die Nacht
• Windjacke
• warme Jacke
• Regenjacke/-hose oder Poncho
• Mütze, Schal, Handschuhe
• Pyjama
• Hygieneartikel
• kleines Handtuch

Schlafsack und Wanderstöcke sind bei manchen Touren inbegriffen oder können gemietet werden.

lebe aktiv und erlebe die schönsten Wanderrouten Südamerikas!
Text: Petra Zumstein
Fotos: Petra Zumstein, Daniel Poppe, Unsplash, Pexels, Partneragenturen

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